Nicaraguas Süden
Erfahrung

Nicaraguas Süden

März 20267 min. Granada, Ometepe & San Juan del Sur
J

Jasmin

Travel Bloggerin

Teil zwei meiner Nicaragua-Reise. Ich hatte noch etwa eine Woche vor mir und das dringende Bedürfnis, länger an einem Ort zu sein. Das ganze Umherreisen macht Spaß, ist aber auch sehr auslaugend und ich spürte das in dieser Woche extrem. Ich merkte, wie ich einiges Schönes im Moment genießen konnte, mich danach aber wieder in einem kleinen Loch befand. Die gewünschte Pause gab es in dieser Woche nur zum Teil, denn es ging trotzdem noch von Ort zu Ort …

Die Tour, die ich sah und die mich nicht losließ, stand an. Ich buchte eine Bootstour zu den Isletas. Die Isletas sind 365 kleine Inseln im Nicaraguasee mit ganz viel Natur und Tieren. Da es nicht genug Anmeldungen gab, wurde mir nur die Möglichkeit einer Kajaktour angeboten. Nachdem ich geklärt hatte, ob und wie ich meine Kamera trotzdem mitnehmen kann (danke an die Hostelmitarbeiterin, die das für mich geklärt hat), ging es dann also zur Kajaktour. Ich war die einzige und bekam so eine Privattour. Da der Großteil der Tour auf Spanisch war, habe ich nicht alle Fakten verstanden, mein Guide gab aber alles, es mir irgendwie zu erklären. Es war ein unglaubliches Erlebnis. Ich sah so viele Vögel, ein paar Affen und Fledermäuse.

Gelbstirn- Blatthühnchen
Schmuckreiher
Seidenreiher
Schwarzkopftaucher mit ihrem Baby
Seidenreiher
Silberreiher
Ausblick während der Fahrt
Rallenkranich
Ausblick während der Fahrt
Ausblick während der Fahrt
Gelbstirn- Blatthühnchen

Das Kajakfahren war nach 1 1/2 Stunden wirklich anstrengend (da hatten wir bereits eine halbe Stunde Gegenwind), aber ich bin so froh, das Ganze nicht mit dem Boot gemacht zu haben. Zum einen wegen der Lautstärke: Der Motor der Boote, die ab und zu vorbeifuhren, war so laut und hat die Idylle irgendwie kaputtgemacht. Eines der Boote kam sogar mit sehr lauter Musik vorbei … Zum anderen konnten wir immer stoppen, die Vögel beobachten und ich konnte in Ruhe Fotos machen. Teils waren wir in kleinen Buchten, kein Boot und keine anderen Menschen um uns herum, nur das Gezwitscher vieler Vögel. Ein Fischreiher flog einen Meter vor uns entlang. Dieser Ausflug hat sich sehr gelohnt. Nach 2 1/2 Stunden auf dem Wasser kamen wir wieder am Ausgangspunkt an. Ich bin unglaublich begeistert von diesem Ausflug und all den tollen Tieren, die ich sehen durfte.

Fischadler
Nacktkehlreiher
Schmuckreiher
Blüte des Pseudobombax ellipticum Baumes
Rotbrustfischer
Fischadler

An dem Tag wechselte ich nur noch das Hostel, verbrachte den Rest des Tages am Pool und bereitete mich mental auf die Weiterreise vor. Ich wusste, ich muss einmal umsteigen, und dort werden Touristen unglaublich viel gescammt … In Wirklichkeit begann das Scammen dann aber tatsächlich schon in Granada. Ich wusste bereits, dass Touristen mehr zahlen, als die Locals. Der Mann vor dem Bus begann aber direkt mit einem Preis, der noch viel höher als der Touristenpreis ist. Handeln war schwer, da dieser Bus "anders ist als die anderen". Deshalb ist er auch teurer. Wenn man sagte, dass man die originalen Preise kennt, ging er immer wieder weg, wirkte fast bockig. Am Ende konnten wir mit sehr viel Mühe und Geduld herunterhandeln, zahlten aber immer noch mehr als den Touristenpreis. Im Bus sah ich dann, wie andere, überwiegend männliche Touristen, nur den Touripreis zahlten. Ich gab ihm den gleichen Betrag, er stand aber penetrant neben mir, bis ich ihm das restliche Geld gab. Es handelte sich dabei nicht um viel Geld, aber es gab einem trotzdem ein komisches Gefühl. Da es Sonntag war, war es nicht sicher, wann der nächste Bus danach kam. Bekannte von mir nahmen dann aber den nächsten und zahlten ohne Diskussionen den Touripreis. Scheinbar hatte ich einfach Pech.

In Rivas, dem Umsteigeort, der ein Touristenalptraum ist, war es dann aber etwas besser, als meine Freundin es am Vortag erlebt hat. Es kamen schon vor der Station Leute in den Bus, die wissen wollten, wo du danach hin möchtest, um dir ein teures Taxi anzudrehen. Die häufigste Art des Scams ist, dass den Touristen gesagt wird, dass der letzte Bus zu ihrer Destination bereits gefahren ist und sie ein Taxi nehmen müssen (meine Freundin hat ein Pärchen am Vortag vor diesem Scam gewarnt, während sie belogen wurden und der Mann ist ihr hinterhergelaufen und hat sie lautstark beschimpft). Ich hatte es etwas angenehmer. Ich sagte jedem, meine Endstation ist in Rivas, dann war auch kaum einer mehr so aufdringlich. Mit einer anderen, die ich vor dem Bus kennenlernte, liefen wir aus dem Zentrum und versuchten, uns ein Taxi zu einem besseren Preis zu holen und wir hatten Erfolg. Dann kamen wir am Fähranleger nach Ometepe an. Das Ticket war schnell und günstig gekauft und die Überfahrt auf die Insel dauerte etwa eine Stunde.

Blick auf Ometepe
Blick auf Ometepe

Ometepe ist eine Insel im Lago Cocibolca und sie beherbergt zwei Vulkane. Ich traf meine Freundin wieder und wir hatten eine Unterkunft bei einer unglaublich netten Familie. Da ich meinen Führerschein nicht dabei habe und auch noch nicht wirklich Erfahrung mit dem Rollerfahren habe, war ich auf meine Freundin angewiesen, die mich mitnahm. Den ersten vollen Tag verbrachten wir am Ojo de Agua. Für das, was es ist, sind 10$ Eintritt schon etwas hoch, dadurch, dass wir so lange blieben, hat es sich aber gelohnt. Es handelt sich um ein natürliches Schwimmbad im Dschungel. Das Wasser ist klar und man kann hier gut eine Weile bleiben. Von unserer Unterkunft waren es aber auch knapp 40 Minuten mit dem Roller.

Blog image
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Am Abend fuhren wir noch zu einem Sonnenuntergangsspot. Den Morgen darauf war es super windig und meine Freundin fühlte sich zu unsicher zu fahren. Wir gaben den Roller also zurück. Es klarte erst gegen 13 Uhr auf und da der Bus auf die andere Seite der Insel mindestens eine Stunde fährt und der letzte bereits um 17 Uhr zurückfährt, hätte ich die Wanderung, die ich machen wollte, nicht mehr geschafft. Diese Abhängigkeit gefiel mir überhaupt nicht. Ich hätte noch länger bleiben können, aber es war mir auf der Insel zu kompliziert. Und sie war schön, keine Frage, aber ich war auch bereit, mit den anderen Mädels zusammen abzureisen.

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So verließ ich Ometepe nach drei Nächten und es ging noch einmal über Rivas nach San Juan del Sur ans Meer. Ich hätte das Land ehrlicherweise auch gut direkt verlassen können, musste aber für die Einreise nach Costa Rica und für meine Zeit dort einiges regeln. Also blieb ich für drei Nächte in San Juan del Sur. Der Ort ist ganz süß und es gibt eine Bucht, von der aus man den Sonnenuntergang anschauen kann, viele kleine Läden und am Meer ist direkt ein anderer Vibe. Aber auch hier war es etwas kompliziert und teuer, an andere Strände zu gelangen. Einen Tag nahm ich das aber auf mich, um noch etwas anderes von der Gegend zu sehen, und es war ein wirklich schöner Tagesausflug. Außerdem gönnte ich mir hier eine Massage, das tat nach dem ganzen Trubel wirklich gut. Dann war ich aber auch mehr als bereit, zur Grenze zu fahren.

Sonnenuntergang in San Juan del Sur
Sonnenuntergang in San Juan del Sur
Sonnenuntergang in San Juan del Sur
Sonnenuntergang in San Juan del Sur
Sonnenuntergang in San Juan del Sur
Playa Maderas
Playa Maderas
Sonnenuntergang in San Juan del Sur

Ich nahm morgens um 5 Uhr den öffentlichen Bus Richtung Rivas, stieg in einem kleinen Ort aus und wartete dort mit anderen Locals auf den Bus Richtung Grenze. Die Locals in beiden Bussen waren unglaublich nett und hilfsbereit, und in meinem letzten Bus in Nicaragua zahlte ich tatsächlich den originalen Buspreis, keinen Touristenpreis oder sogar noch einen höheren! Noch vor der Grenze in Nicaragua ließ ich mir dann einen Bus aufschwatzen, der mich über die Grenze und direkt in meine Zielstadt brachte. Ich hatte geplant, den Grenzübertritt zu Fuß zu machen und auf der anderen Seite einen Bus zu nehmen. Da dieser aber wohl 12$ oder mehr kostet, klang das Angebot vor der Grenze mit 14$ also super und mit dem Bus selbst hat alles super geklappt. An der Grenze in Nicaragua ging es jedoch nur schleppend voran. Zuerst mussten wir 1$ bezahlen, um die Grenze überhaupt zu betreten. Dann standen wir in einer langen Schlange und es waren nur zwei Leute am Arbeiten. Die eine hat aber irgendetwas anderes gemacht, sodass nur eine die Schlange abgearbeitet hat. Über eine Stunde stand ich an. Als ich dran war, gab ich meinen Reisepass ab, zahlte 3$ Ausreisegebühren, bekam einen Stempel und ich war fertig. Danach ging es in den Bus und wir fuhren ein Stück weiter zur nächsten Grenze. Dazu dann aber mehr im nächsten Blog.

Warten auf den Bus zur Grenze
Warten auf den Bus zur Grenze

Mein Fazit (ihr habt es vielleicht schon herausgelesen): Meine Gefühle zu Nicaragua sind gemischt. Ich weiß nicht, ob es an Reisemüdigkeit, privaten Problemen oder tatsächlich am Land liegt (vielleicht auch an allem zusammen), aber der Vibe gefiel mir hier nicht so gut. Es gab viel Catcalling und ich hatte ständig das Gefühl, dass ich übers Ohr gehauen werde. Ich habe auch sehr freundliche Locals kennengelernt, und ich weiß, die Menschen sind so unterschiedlich, wie das Land groß ist, aber Nicaragua hat mir kein gutes Gefühl gegeben. Vor allem im Kontrast zu meinen so positiven Erfahrungen in El Salvador. Ich habe wundervolle Natur gesehen und tolle Erlebnisse gehabt. Ich hätte sicher auch noch mehr aus dem Land herausholen können, aber ich denke, es ist auch okay, dass ein Land vielleicht einfach nicht gut zu einem passt und es auch okay ist, weiterzuziehen … Auf eine bessere Zeit im nächsten Land Jasmin

Papagei Im Garten der Familie auf Ometepe
Sonnenuntergang auf Ometepe
Sonnenuntergang auf Ometepe
Fähre nach Ometepe
Kleines Café Festival in San Juan del Sur
Papagei Im Garten der Familie auf Ometepe