
Peru: Inka, Berge & Amazonas
Jasmin
Travel Bloggerin
Meine letzten Tage in Peru brechen an und es steht wie immer einiges an. Vor allem die Mehrtagestour am Ende meiner Zeit hier zeigt mir nochmal eine ganz andere Seite von Peru.
Nach den vielen Tagen Wandern standen am Tag darauf Entspannen und Planen an. Leider war mein Hostel für die folgenden Nächte ausgebucht und ich musste um 11 Uhr auschecken und in ein anderes Hostel wechseln. Außerdem musste ich dringend Wäsche waschen. Vor der Wäscherei traf ich einen aus dem Hostel und als ich erzählte, was ich noch so in Cusco machen möchte, empfahl er mir direkt eine Tour, die er selbst bereits gemacht hat. Er gab mir die Nummer von dem Guide und ich buchte für den nächsten Tag.
Dann traf ich Jacky in einem Café zum Planen der nächsten Tage und wo es danach hingeht. Außerdem wollten wir noch eine weitere Mehrtagestour zusammen machen. Danach gönnten wir uns dann eine wunderbare Massage und gingen noch was essen.

Rainbow Mountain und Red Valley
Um 7 Uhr am nächsten Morgen sollte dann die Tour zum "Montaña Vininkunka" oder auch bekannt als "Rainbow Mountain" starten. Außerdem ging es ins Red Valley. Bei der Suche nach einer Tour war mir wichtig, dass das auch dabei ist, da ich von vielen gehört habe, wie schön es sein soll. Der empfohlene Guide war eine Privatperson und wir waren tatsächlich nur drei Leute und mit seinem Privatauto und nicht mit einem Bus unterwegs. Nach einer längeren Autofahrt starteten wir mit einer Wanderung ins Red Valley. Der Parkplatz lag auf 4.600 m Höhe und wir mussten zu Beginn ein paar Schritte steil bergauf, um dann etwas ebener zu gehen. Was soll ich sagen, die dünne Luft machte mir nach dieser kurzen Anstrengung ordentlich zu schaffen. Mein Herz schlug wie verrückt und ich musste einen Moment stehen bleiben und zu Atem kommen. Und obwohl es danach nur leicht und stetig bergauf ging, war es um einiges anstrengender für mich. Bei bisherigen Wanderungen waren 4.600 m immer der höchste Punkt und dann ging es wieder runter.

Es hat sich aber mehr als gelohnt! Die Landschaft um mich herum war rot und grün und harmonierte so perfekt. Nach einigen Pausen und sehr langsamen Gehen kamen wir nach 1 1/2 Stunden am Aussichtspunkt an und ich war sprachlos. Ich hatte einen Rundumblick ins Red Valley und auf die schneebedeckten Berge. Es war so viel schöner, als ich es erwartet hatte.







Dann wanderten wir weiter zum Rainbow Mountain. Es ging noch etwas weiter bergauf und als ich zur Seite schaute, fragte ich mich, ob er es bereits ist. Da er so winzig aussah, dachte ich, dass er es nicht ist. Als wir dann aber den vorletzten Abschnitt hinaufgegangen waren, sah ich: Es ist der Rainbow Mountain. Man konnte noch höher rauf, um ihn von weiter oben anzusehen, aber erst machten wir Mittagspause. Während ich mein Mittagessen mit einem der zu dünnen Hunde dort teilte und mir den Berg anschaute, dachte ich, dass er tatsächlich zu Unrecht so gehypt ist. Von hier unten sah er überhaupt nicht beeindruckend aus und die Farben wirkten eher gräulich.


Nach dem Essen ging ich dann aber noch die letzten Meter hinauf auf 5.036 m und als ich mich umdrehte, kam von hier oben erst die ganze Schönheit zur Geltung. Ich konnte von hier die verschiedenen Farbverläufe erkennen und er wirkte auch sehr viel größer. Es war so weit oben aber auch superwindig und kalt. Dafür hatte man auch hier wieder einen tollen Blick auf die umliegenden Berge. Müde, aber glücklich ging es dann zurück zum Auto.







Viele Touren starten wohl am Rainbow Mountain und gehen dann ins Red Valley oder lassen das Red Valley aus. Unser Guide hat die Tour andersrum gemacht und das fand ich super. Im Red Valley waren wir fast alleine und auch am Rainbow Mountain war nicht mehr so viel los, weil viele Touren schon weg waren.

Tagesausflug um Cusco
Am Tag darauf machte ich eine weitere Tour, aber dazu kann ich ehrlicherweise nicht mehr viel sagen. Wir stoppten an mehreren Inka-Ruinen und jede für sich war schön, aber es war auch wirklich viel in kurzer Zeit und ich konnte irgendwann keine Ruinen mehr sehen. Wir hielten auch an beeindruckenden Salzterrassen. Es gab etwa 4000 Stück und wir erfuhren, wie hier Salz abgebaut wird.








Außerdem scheine ich beim Stopp zum Mittagessen was Falsches gegessen zu haben, denn was mir noch deutlich von diesem Tag in Erinnerung geblieben ist, sind meine plötzlichen Magenprobleme. Es gehört zum Reisen leider immer mal wieder dazu, aber besonders kurz bevor man noch eine Weile im Bus sitzen muss, macht es einfach keinen Spaß …





Manu Nationalpark
Dann ging aber unsere gebuchte Mehrtagestour los. Jacky und Zoé waren mit dabei, mit beiden war ich vorher schon mal in Peru unterwegs. Es ging in den Manu-Nationalpark. Er ist Teil des Amazonas und des UNESCO‑Weltkulturerbes. Er ist in drei Gebiete aufgeteilt. In dem Dritten darf man sich nicht länger als zwei Tage aufhalten, um die Tiere und die Natur zu schützen. Für mich ging es nur in den ersten Teil des Parks. Der Manu-Nationalpark beherbergt wohl eine der größten Biodiversitäten der Welt mit über 1.500 Vogelarten, 1.000 Pflanzenarten und 200 Säugetieren.



Es ging früh los und wir waren den ganzen Tag unterwegs. Sobald wir im Park selbst waren, stiegen wir immer mal wieder aus und liefen ein Stück. Außerdem hielten wir für einen Wasserfall, Ruinen und wenn Tiere gesichtet wurden. Ich sah endlich einen Quetzal (den Nationalvogel Guatemalas, den ich leider in Panama nicht entdeckt habe), den Nationalvogel Perus (einen Andenfelsenhahn) und Affen. Die meiste Zeit verbrachten wir an Tag 1 aber im Bus.





Am Tag zwei saßen wir gerade zum Frühstücken, als wir plötzlich einen Ara ganz in der Nähe sichteten. Er war so schön anzusehen, ich musste ins Zimmer und meine Kamera holen.


Dann ging es in ein Kolibri-Haus. Zusätzlich zu einem Affen, den wir dort sahen, waren dort, Überraschung, superviele Kolibris. Sie flogen so nah um einen herum, man spürte den Wind der Flügel. Und mit dem kleinen Gefäß mit der Flüssigkeit landeten sie auch teilweise auf der Hand. So faszinierende Vögel. Wir verbrachten etwas Zeit hier und spazierten auch durch den angrenzenden Wald, bevor es in den Bus und zum kleinen Hafen ging. Bevor es jedoch ins Boot ging, bekamen wir jeder ein paar Gummistiefel für die Erkundungstouren im Amazonasgebiet. Nun ging es endlich ins Boot und wir fuhren die Stromschnellen entlang, bis zu unserer Unterkunft. Um zu unseren Hütten zu gelangen, ging es etwas in den Dschungel. Wir schlafen in einfachen Holzhütten.



Ich konnte beim Briefing am Tag vor der Abreise nicht dabei sein, aber den Mädels wurde gesagt, es gibt Handtücher und Internet. Es gab beides nicht. Und da ich ja keine peruanische SIM‑Karte kaufen konnte, war ich nun offline. Damit habe ich absolut kein Problem, aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich etwas beunruhigt war, meiner Familie das nicht schreiben zu können. Sie wussten, dass ich diese Tour mache, aber ich hatte ja gesagt und gedacht, es gibt WLAN. Ich bekam aber kurz Hotspot und konnte ihnen schreiben, dass ich gut angekommen bin und kein Internet habe. Und glücklicherweise hatte ich ein dünnes Strandtuch eingepackt, das als Handtuch herhalten konnte.






Tja, und dann hatten wir Freizeit … jede Menge. In unserer Gruppe waren Leute, die eine 3-Tagestour gebucht hatten. Wir und ein paar andere hatten die 4-Tagestour gebucht. Die mit dem kurzen Aufenthalt gingen an dem Tag ziplinen, wir sollten erst am nächsten Tag gehen. Warum wir das nicht alles zusammen gemacht haben und wir am nächsten Tag was anderes zusätzliches machen, habe ich nicht verstanden. Und so hatten wir knapp zwei Stunden bis zum Mittagessen. Ich ärgerte mich, dass ich nicht daran gedacht hatte, das Kartenspiel mitzunehmen. Mein Buch auf dem Handy konnte ich nicht lesen, weil das runtergeladene Buch ohne Internet aus irgendeinem Grund in der Bücherei-App nicht geöffnet werden konnte. Und ich habe gemerkt, wie lange mir nicht mehr langweilig war. Zu Hause könnte ich jetzt malen oder häkeln oder lesen, ohne Internet. All das ging hier nicht, weil ich die Sachen nicht dabei hatte. Wir unterhielten uns etwas, aber die anderen hatten mobile Daten und waren zum Teil trotzdem am Handy. Ich schrieb Tagebuch und beobachtete die Vögel um mich herum, aber die Zeit verging trotzdem superlangsam.



Nach dem Essen hatten wir eine weitere Stunde Pause und wir legten uns für einen Nap hin. Und dann machten wir endlich etwas! Es ging mit dem Boot weiter flussabwärts, bevor wir dann durch den matschigen Dschungel zu einem See gingen. Dort fuhren wir mit einem Floß. Gelenkt und "gepaddelt" wurde mit einem langen Stock. Dementsprechend langsam kamen wir voran (wir paddelten und lenkten selbst). Vom Wasser aus sah ich Vögel, die ich vorher nie zuvor gesehen hatte, unter anderem einen knallorangen. Auf dem Rückweg zum Boot sahen wir Capybara-Spuren im Schlamm.




Nach dem Abendessen ging es dann zu unserem ersten Nightwalk. Der war spannend, aber auch etwas gruselig. Was es gruselig machte, war die Bananenspinne. Bevor wir die erste sahen, sind wir recht unbekümmert, also normal vorsichtig, durch den Dschungel gelaufen. Dann zeigte uns unser Guide die erste Bananenspinne. Sie ist hell, kann bis zu 20cm groß werden und ihr Biss kann tödlich sein. Sie saß ganz friedlich auf ihrem Blatt. Was es aber etwas mulmiger machte, war, dass dieses Blatt in den Pfad hing. Wir hätten sie beim Laufen also einfach aus Versehen berühren können und wenn sie sich bedroht fühlt, beißt sie. Ab da haben wir sehr viel genauer auf die Blätter geachtet und noch sehr viel mehr Bananenspinnen gesehen.
Außerdem sah ich noch den Hauseingang einer Tarantel und einen Teil ihres Körpers, einen Bananenfalter (im Englischen "Owl butterfly", sehr viel passender, wie ich finde, da er riesig ist und mit geöffneten Flügeln aussieht, wie eine Eule), einen kleinen Skorpion, verschiedenste Käfer und andere Spinnen.







Ich schlief mit den Geräuschen des Dschungels ein und am nächsten Morgen wachte ich zum Geräusch des Regens auf. Es ging um kurz nach halb sechs ins Boot und flussabwärts, Richtung Clay-lick, wo man wohl gut Papageien am Morgen beobachten kann. Es hatte bereits aufgehört zu regnen. Auf dem Weg dorthin sahen wir einen Otter über die Steine in den Fluss rennen. Außerdem sahen wir zwei Capybaras in ihrem Nest am Ufer.

Als wir dann beim Clay-lick ankamen, hörten wir erst hunderten Papageien zu, bis wir sie dann sahen. Laut Guide gibt es immer erst "Späher", die schauen, ob die Klippe sicher ist, bevor dann all die grünen Papageien auftauchen. Sie kommen für die Mineralien zu den Felswänden. Ich lernte, dass Papageien immer in Paaren fliegen. Wenn man drei Papageien zusammen sah, war es ihr Junges. Wir beobachteten sie für eine Weile aus der Ferne, bis sie begannen, sich zurückzuziehen. Ich wollte noch wissen, warum die Gelb-Blauen und Roten Aras nicht zu sehen sind, und ich erfuhr, dass diese Felswand zu offen liegt und die auffälligen Farben Feinde zu sehr anziehen würden.





Nach dem Frühstück wurde nochmal genappt, bevor es zu einer Wanderung ging. Der Teil der Gruppe, der nur drei Tage dabei war, verließ uns nach dem Frühstück. Wir sahen verschiedenste Pflanzen und aßen auch einige. Uns wurden einige Pflanzen und ihre Heilkräfte erklärt (z.B. um Erkältungen zu stoppen, um Schwangerschaften zu verhindern oder Gelenkschmerzen zu lindern …). Wir hielten ständig Ausschau nach einem Jaguar, hatten aber kein Glück. Wir entdeckten dann aber Affen und kurz darauf tatsächlich einen Jaguarabdruck im Schlamm, der laut Guide noch frisch war, maximal eine Stunde alt!










Nach dem Mittagessen und einer weiteren Pause ging es dann Ziplinen. In der Nähe vom Camp sind drei Ziplines. Das war das erste Mal für mich und hat mir super viel Spaß gemacht. Nur einer unserer beiden Tourguides hat Höhenangst. Ich weiß nicht, warum er mitgegangen ist und nicht ein anderer Guide aus dem Camp, aber er fuhr immer als Letzter und bei der zweiten Zipline warteten wir schon super lange auf ihn. Ganz am Ende mussten wir uns dann abseilen und er sollte als Erster runter, um das Seil unten zu halten. Er hatte so eine Angst, dass mindestens 30 Minuten nichts passierte und wir alle auf dieser Plattform standen. Ich verstehe seine Angst, und sich dann als Erster herabzuseilen, muss schrecklich sein, aber wieso geht er überhaupt mit? Er muss das alle paar Tage machen. Dann ging es aber runter. Ich versuchte, nicht nach unten zu gucken, und wollte auch vorher noch nicht wissen, wie hoch es ist. Als ich es dann geschafft hatte, erfuhr ich, dass es 30 Meter waren.









Danach ging ich mit ein paar anderen im Creek baden. Es war frisch, aber wärmer als gedacht. Generell war es die Tage im Amazonas bisher jeden Tag bewölkt und etwas frisch.

Abends ging es zum zweiten Nightwalk. Wir sahen wieder Bananenspinnen (diesmal weniger), Stabheuschrecken, eine große Motte (fast eine Hand groß), einen Schmetterling mit durchsichtigen Flügeln und viele Grashüpfer. Ich erfuhr auch, dass es ein Gegenmittel gegen den Biss der Bananenspinne gibt, aber nicht in Peru. Im Falle eines Bisses müsste es aus Brasilien geliefert werden. Peru hat wohl nicht genug Fälle von Bissen, um das Mittel selbst zu besitzen …






Am Abreisetag wurde ich von der Sonne und den Geräuschen der Natur geweckt. Es war strahlend blauer Himmel, so hätte ich die letzten Tage hier gerne erlebt. Aber es wurde nur gepackt, gefrühstückt und zurück. Die Fahrt im Boot gegen die Strömung war spannend. Beim zweiten Versuch haben wir es geschafft. Dann fuhren wir zurück nach Cusco und stoppten nur fürs Mittagessen und für Toilettenpausen. Abends ging ich nur noch mit Zoe und Jacky essen und fiel dann müde ins Bett.

Nun erzähle ich noch, warum ich den Rest meiner Reise umplanen musste. In Costa Rica buchte ich meinen Rückflug von Bolivien nach Deutschland. Der Plan war, durch Peru zu reisen und über Land nach Bolivien zu gehen und dort all die Dinge zu machen, die ich mir herausgesucht habe. Viele Teile Boliviens, die ich sehen wollte, sind höher gelegen, und durch die Zeit in Peru war ich bereits recht gut akklimatisiert. Als ich dann aber in Peru ankam, erfuhr ich, dass es in Bolivien gerade große Proteste gibt und viele Straßen blockiert sind. Ich hörte, dass das häufiger vorkommt, aber meist nach ein paar Tagen vorbei ist. Die Proteste gingen zu dem Zeitpunkt aber bereits fast 20 Tage. Es war super ungewiss, ob die Proteste vorbei sind, bis ich in 4-5 Wochen dort sein würde oder nicht. Ich suchte also nach Alternativen, aber wenig passte wirklich für mich. Ein paar Tage vor der Dschungeltour entschied ich mich dann, nach Brasilien zu fliegen, für die letzten drei Wochen. Letztendlich waren die Proteste einen Tag vor meinem Flug nach Brasilien vorbei. Da aber die Lebensmittel-, Benzin- und Medikamentenversorgung durch die Proteste knapp war, hätte ich mich sowieso dagegen entschieden, dorthin zu reisen. Erstmal müssen die Locals wieder gut versorgt sein. Vor Brasilien hatte ich etwas Respekt, was mir die Entscheidung so schwer machte, aber über meine Zeit in Brasilien könnt ihr dann im nächsten Blog mehr lesen.

Meine Zeit in Peru geht aber hiermit zu Ende. Ich war fast 5 Wochen hier und habe so viele tolle und auch unterschiedliche Sachen erlebt, damit hätte ich vor meiner Ankunft gar nicht gerechnet. Außerdem habe ich in Peru das Wandern mögen gelernt. Der erste Einblick in die Welt des Amazonas hat mich auf jeden Fall neugierig gemacht. Im gleichen Nationalpark kann man auch 6 Tage bleiben und viel tiefer in den Dschungel rein. Mit über 1000$ war das aber etwas zu viel für mein Budget gerade. Ich bin mir aber sicher, dass ich für eine ausgiebigere Amazonastour nach Südamerika zurückkommen werde. Ich habe aber auch gemerkt, dass meine Energie, neue Orte zu erkunden, langsam etwas schwindet. Zusätzlich habe ich seit mindestens zwei Wochen nicht ausschlafen können, da ich entweder eine Tour gemacht habe, oder Leute in meinem Hostelzimmer eine Tour machten und früh aufstanden. Nun ist der erste Teil meiner Reise fast vorbei. Ich freue mich sehr auf Brasilien, aber auch auf die Zeit zu Hause. Bis zum nächsten Mal Jasmin
